Bildnachweis: ESE Executive Search Excellence GmbH.
Investment Professionals wechseln derzeit spürbar häufiger aus Corporate Venture Capital-Einheiten und Family Offices in Richtung Limited Partner-basierter Venture Capital-Gesellschaften. Dahinter stehen selten rein persönliche Motive, sondern veränderte Kapitalstrategien, Governance-Logiken und Karriereerwartungen in einem selektiver gewordenen Markt.
In den vergangenen drei Jahren hat sich durch die veränderten Marktbedingungen das Tätigkeitsprofil vieler Investment Professionals deutlich verschoben, denn Neuinvestments wurden reduziert oder kamen vollständig zum Erliegen, während sich der Schwerpunkt zunehmend auf Portfoliomanagement verlagerte. Für viele ist genau das der kritische Punkt, denn sie sind angetreten, um Märkte zu analysieren, Deals zu entwickeln, in Start-ups zu investieren und einen eigenen Investment Track Record aufzubauen. Sie sind nicht zu einem Corporate Venture Capitalist gegangen, um primär bestehende Beteiligungen zu verwalten. Der deutsche Venture Capital-Markt ist anspruchsvoller geworden. Kapital ist vorhanden, doch es konzentriert sich stärker auf wenige, strategisch priorisierte Themen, reifere Finanzierungsrunden und belastbarere Wertsteigerungspfade. Für Investment Professionals verändert das die Qualität ihrer Arbeit. Weniger opportunistische Breite, mehr These und mehr Exit-Disziplin.
Warum Corporate Venture Capital an Attraktivität verliert
In Corporate Venture Capital-Einheiten entscheidet einerseits die Investmentlogik. Andererseits bestimmen jedoch zunehmend die strategische Relevanz, Konzernprioritäten, Budgetzyklen und interne Stakeholder, welche Transaktionen zukünftig im Fokus stehen. Wenn große Corporates oder Family Offices Kapital aus Venture Capital in strategische Beteiligungen, Real Estate, Infrastruktur oder andere alternative Assetklassen umschichten, entsteht für Investment Professionals ein Spannungsfeld. Der Venture Capital-Markt verlangt Geschwindigkeit und klare Entscheidungsfähigkeit, die Organisation bei einer Re-Allokation von Assets aber häufig mehr Abstimmung, Risikoaversion und längere Freigabewege.
Family Offices überprüfen ihre Asset Allocation
Ähnliche Bewegungen wie im Corporate Venture Capital zeigen sich bei Family Offices. Nach Jahren hoher Liquidität und breiter Innovationsbegeisterung wird die Asset Allocation vieler Häuser stringenter gesteuert. Venture Capital bleibt interessant, konkurriert jedoch stärker mit Private Equity, Immobilien, strategischen Direktinvestments und liquiden Anlagen. Für Investment Professionals kann dadurch die Perspektive unschärfer werden: weniger Neuinvestitionen, stärkere Portfoliopflege, geringere Carry-Fantasie und eine Rolle, die näher an Vermögensverwaltung als an unternehmerischer Venture Capital-Arbeit liegt.
Limited Partner-basierte Fonds gewinnen Profil
Klassische Limited Partner-basierte Venture Capital-Gesellschaften bieten in dieser Lage ein klareres berufliches Narrativ. Das Mandat ist eindeutig, die Investmentthese steht im Zentrum, Entscheidungswege sind häufig direkter, und der persönliche Track Record kann kontinuierlich gestaltet werden. Gerade Professionals mit belastbarer Sourcing-Kompetenz, kommerziellem Urteilsvermögen und echter Portfolionähe suchen Umfelder, in denen Performance, Dealqualität und Netzwerkzugang unmittelbar zählen.
Vergütung ist nur ein Teil der Wechselmotivation
Gehalt und Beteiligungsmodelle bleiben wichtig, sind aber nicht unbedingt die Hauptgründe für eine Wechselbewegung. In jährlich rund 150 bis 200 vertraulichen Tiefeninterviews mit Investment Professionals im deutschen und österreichischen Markt zeigt sich vor allem ein wiederkehrendes Muster: Neben marktgerechten Fixgehältern und glaubwürdigen Carry- oder Bonusmodellen zählen Entscheidungsautonomie, Partnerperspektive, Fondsqualität, Reputation der Gesellschafter und die Möglichkeit, über mehrere Fondsgenerationen einen belastbaren Investment Track Record aufzubauen.
Der Talentmarkt verändert sich
Für Venture Capital-Gesellschaften entstehen zunehmend neue Anforderungen an den Talentmarkt. Gesucht werden nicht nur Investmentmanager, Principals oder Partner, sondern zusätzlich auch Funktionen, die institutionelles Wachstum ermöglichen: Finance Manager, Compliance Manager, Investor Relations-Verantwortliche und (Plattform-) Operations Manager. Parallel steigt der Bedarf an Führungskräften in Portfoliounternehmen, insbesondere in Scale-ups, die nach Wachstumskapital den Übergang von Gründerpragmatismus zu skalierbarer Organisation bewältigen müssen. Auch hier kann ein eng am Portfolio agierender Venture Capitalist konkrete Mehrwerte bei der Suche und Platzierung von Top-Führungskräften leisten.
Was erfolgreiche Besetzungen unterscheidet
Entscheidend ist die Passung zwischen Fondsstrategie, Reifegrad der Organisation und individueller Karriereambition. Wer Corporate Venture Capital oder ein Family Office verlässt, sucht nicht automatisch den nächsten Titel, sondern ein glaubwürdiges Investmentumfeld. Erfolgreiche Besetzungen entstehen dort, wo Marktkenntnis, Vergütungsverständnis, belastbare Beziehungen zu renommierten Venture Capital-Gesellschaften und ein realistisches Bild der Wechselmotive zusammenkommen. Genau diese Transparenz entscheidet, ob ein Wechsel nur kurzfristig attraktiv wirkt oder langfristig Wert schafft.
Über den Autor:
Hans-Heinz Wisotzky ist geschäftsführender Gesellschafter der ESE Executive Search Excellence GmbH und unter anderem auf Besetzungen im Venture Capital- und Scale-up-Umfeld spezialisiert.

