Bildnachweis: myo, BonVenture, VentureCapital Magazin, Pixabay.
myo ist ein Berliner Start-up, das die digitale Kommunikation in der Altenpflege neu denkt. Im Zentrum steht eine App, die den Austausch zwischen Pflegepersonal, Bewohnern, Angehörigen und Dienstleistern vereinfacht und transparenter macht.
Entwickelt wurde die Anwendung aus der Praxis heraus. Gründer und Geschäftsführer Jasper Böckel absolvierte während eines Sabbaticals ein Pflegepraktikum – eine Erfahrung, die seinen beruflichen Weg nachhaltig veränderte. „Ich habe diese Arbeit lieben gelernt und vor allem den hohen Einsatz der Pflegerinnen und Pfleger“, sagt Böckel. Gleichzeitig erkannte er ein zentrales Problem: Angehörige wissen oft nicht, was ihre Liebsten im Pflegeheim erleben. Informationen erreichen sie selten oder nur unvollständig. Misstrauen und Unsicherheit entstehen. Die Lösung ist die App myo, benannt nach der Pflanze Vergissmeinnicht (Myosotis). Sie ermöglicht Videoanrufe, den Austausch von Bildern, Videos und Dokumenten sowie die Kommunikation mit externen Dienstleistern – alles über einen zentralen Kanal. Damit wird nicht nur der Kontakt zwischen Bewohnern und Familien gestärkt, sondern auch die Arbeitsprozesse im Pflegealltag werden effizienter. „Wir wollen sicherstellen, dass besonders den Angehörigen ein sozialer Kontakt ermöglicht wird. Sie sollen am Leben ihrer Liebsten teilhaben können“, erklärt Böckel.
Entwicklung mit Pflegeheimbetreibe
Entstanden ist die App in Zusammenarbeit mit dem Pflegeheimbetreiber Agaplesion. Dessen Anfangsinvestition und Praxiserfahrung bildeten die Grundlage für die Entwicklung. Die Einführung der App in einer traditionell wenig digitalisierten Branche stellte das junge Unternehmen vor Herausforderungen – insbesondere beim Thema Datenschutz. Heute nutzen rund 400 Einrichtungen im DACH-Raum sowie in Großbritannien die Anwendung. Das Unternehmen beschäftigt 25 Mitarbeitende und plant weitere Funktionen.
Digitaler Sozialhilfeantrag per KI
Aktuell wird ein Tool entwickelt, das Pflegeheime bei der Beantragung von Sozialhilfe für Bewohner unterstützt. Diese Anträge dauern bis zu zehn Monate, was für die Heime eine erhebliche Vorfinanzierung bedeutet. Mit der neuen Lösung soll dieser Prozess deutlich beschleunigt und digital unterstützt werden, um die wirtschaftliche Belastung der Einrichtungen zu verringern und gleichzeitig die Verwaltung zu entlasten.
Zusammenarbeit seit fünf Jahren
myo hat seit seiner Gründung mehrere Finanzierungsrunden absolviert – zuletzt in einer Series A mit einem Volumen von rund 12 Mio. EUR. BonVenture begleitet den Weg seit 2020 als Impact-Investor. Die Beteiligung erfolgte über zwei Finanzierungsrunden. Angela Lawaldt, Partnerin bei BonVenture, beschreibt die Zusammenarbeit als zukunftsweisend: „Wir investieren in Unternehmen, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich wirken. Bei myo sehen wir beides – eine klare Vision und messbaren Impact.“ BonVenture zählt sich selbst zu den Pionieren im Impact Investing in Deutschland. Seit über 20 Jahren investiert der Fonds in gesellschaftlich relevante Bereiche wie Gesundheit, Bildung und nachhaltigen Konsum. Die Investitionsstrategie basiert auf der sogenannten Theory of Change – einem Modell, das Wirkung konkret messbar macht. Bei jeder Beteiligung werden zwei bis drei zentrale Wirkungskriterien definiert, die regelmäßig überprüft werden. „Wir wollen in die Tiefe der Wirkung gehen“, so Lawaldt. Zuletzt wurde BonVenture mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025 ausgezeichnet – in der neuen Kategorie „Vermögensverwaltung und Beteiligungsgesellschaften“.
Fazit
Für myo ist die Partnerschaft mit BonVenture mehr als eine reine Kapitalbeteiligung. Die enge Zusammenarbeit habe geholfen, den sozialen Nutzen des Produkts in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie zu rücken. Auch intern legt myo Wert auf eine moderne Unternehmenskultur. So hat Geschäftsführer Böckel den „Deep Work Wednesday“ eingeführt – einen Tag pro Woche ohne Meetings für konzentriertes Arbeiten. Zudem habe sich BonVenture in strategischen Fragen als wichtiger Sparringspartner erwiesen, insbesondere bei der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells und der Skalierung in neue Märkte. Gemeinsam arbeiten beide Partner daran, die Digitalisierung in der Pflege weiter voranzubringen und die Lebensqualität von Pflegebedürftigen zu erhöhen sowie die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals spürbar zu verbessern.

